Die Mülheimer Solidaritätstage – eine große Anstrengung, ein großer Erfolg

 

Bereits am 21. August wurde im Foyer des Mühlheimer Rathauses die Ausstellung „Spuren in die Zukunft“ eröffnet. Sie erfreut sich eines guten Besuchs. Immer wieder erreichen uns Rückfragen zur Tätigkeit der Initiative Pskow. Groß ist auch die Nachfrage nach den ausgestellten Holztieren.
Am Mittwoch, 30. August, dann eine weitere Ausstellungseröffnung, diesmal in der Petrikirche: Eduard Scharipow aus Pskow war selbst anwesend und zeigte vor allem Landschaften in Herbst- und Winterstimmungen und Tusch-Graphik. Wer je die Landschaft um Pskow erlebt hat, der erkennt diese Atmosphäre wieder, weiß: ja, so ist es, so fühlt es sich an.

Am Abend desselben Tages ein festlicher Empfang im Mülheimer Altenhof. Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden der IP, Klaus Eberl, erinnerte Präses Nikolaus Schneider an die Ideologie von der Überlegenheit der „arischen Rasse“ gegenüber den slawischen Völkern und die daraus resultierende Vernichtungsabsicht. Um nach diesem Desaster an Versöhnung auch nur denken zu können, musste zuerst ein neues Denken erarbeitet werden. Die weltpolitische Entwicklung mit dem Ende des Kalten Krieges habe dann die neuen Beziehungen erst ermöglicht. Versöhnung bleibe „eine Aufgabe zwischen Christen, die sich aus der schrecklichen Geschichte ergibt.“ - Die Mühlheimer Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld zitierte Albert Schweitzer, der die Stadt öfter besuchte und auch an der Orgel der Petrikirche spielte: „Das Wenige, das du tun kannst, ist viel.“ Wir müssten uns als Menschen dieser einen Welt zu begreifen und uns gegenseitig helfen. - Der Bonner Generalkonsul der Russischen Föderation, Fedor Khorokhordin, erst seit kurzem in Deutschland, versprach seine Unterstützung beim weiteren Ausbau der Kontakte. Diese seien inzwischen viel enger und vertrauensvoller als noch vor 10 Jahren. – Michail Choronen, Pskower Stadtpräsident wies darauf hin, dass drei Ehrenbürger seiner Stadt im Saal versammelt seien: Dieter Bach, Klaus Eberl und Iwan Kalinin. Er dankte den Freunden der Stadt überall im Bereich der EKiR, besonders in Wassenberg, Mülheim und Neuss und bei den verschiedenen Stiftungen. „Ich bin überzeugt, mit unseren gemeinsamen Bemühungen schaffen wir es, das Werk zu vollenden.“ - Helmut Hitzbleck, Superintendent des Kirchenkreises an der Ruhr: „Es gilt, die Menschenwürde zu achten mit allen Behinderungen, Eigenarten und ihren schönen Seiten.“ Er erinnerte an den „Pskower Engel“ aus der Behindertenwerkstatt und an das Symbol des Engelsflügels als Logo der Mühlheimer Solidaritätsaktion. – Katholische Gemeinden und Einrichtungen habe diese Aktion in besonderer Weise unterstützt. Statt aber daran in einer Rede zu erinnern, sagte Dechant Manfred von Schwartzenberg: „Ich möchte mit Ihnen beten und singen“. Und er sang, kräftig, ausdrucksvoll und anrührend: „Wir wünschen, dass die Kinder auf der Welt lachen. Wir singen diesen Wunsch, bis er sich erfüllt.“ Sein Lied widmete er den Kindern und Jugendlichen in Pskow – ganz gewiss der ungewöhnlichste und berührendste Beitrag dieses Abends. – Dieter Bach dankte allen und lud ein zum Buffet, das junge Frauen vom Mülheimer Christlichen Verein Junger Menschen liebevoll vorbereitet hatten. Freunde und Bekannte trafen sich oder man lernte neue kennen, der Austausch und die Gespräche gingen bis 11 Uhr nachts. - Für den musikalischen Rahmen sorgte der Pskower Ljubjatow-Chor und – wie schon bei der Vernissage – der Pskower Saxophonist Arkadi Golkowski.

Am Freitag, 1. September, dann das eindrucksvolle Benefiz-Konzert der georgischen Pianistin Elisabeth Leonskaja in der ausverkauften Petrikirche. Die Westdeutsche Allgemeine Zeitung schrieb: „… stimmungsgeladen zwischen tiefer Verzweiflung und perlender Leichtigkeit, in sich gekehrt, höchst konzentriert … erzählte die Künstlerin am (von Thürmer in Bochum für den Abend gesponserten) Bösendorfer Flügel die höchst emotionalen musikalischen Chopin-Geschichten.“ Zuvor hatte der Weltstar die Gasteiner Sonate von Franz Schubert gespielt.

Musik prägte auch den Ökumenischen Gottesdienst am Sonntag. Das Vokalensemble der Petrikirche unter Leitung von G. Burger und der Ljubjatow-Chor wurden immer wieder mit Beifall bedacht. - Oberkirchenrat Harald Bewersdorff führte in der Predigt aus, dass der Friede, in dem Waffen zu Gebrauchsgegenständen umgeschmiedet werden, allein von Gott geschaffen werden könne. Aber Christen wie Juden, die dieses Heil von Gott erwarten, seien aufgefordert, sich auf den Weg der Gewaltlosigkeit zu begeben, gleichsam "Gott entgegen zu gehen".

Am 8. September feierte die Mülheimer Diakonie ihr 85jähriges Bestehen. Die Straße rund um den Kirchenhügel glich einem Basar, darunter waren auch sechs Stände der Initiative Pskow. Wir informierten die Mülheimer über die Arbeit der Initiative Pskow und verkauften unser Holzspielzeug. Original russische Blinis und Piroggen, die von Vita, einer russlanddeutschen Frau gebacken wurden,  fanden reißenden Absatz, ebenso der selbst gebackene Kuchen.  Ohne die Mitarbeit vieler Mitglieder der IP hätten wir uns nicht so vielfältig auf dem Diakoniefest präsentieren können. Die Mülheimer Polizei hatte uns wetterfesten Stände geliefert und aufgebaut. Menschen in Mülheim, die Pskow bisher noch nicht kannten, haben einen vielfältigen Eindruck von der Arbeit der IP und dem Engagement unserer Mitglieder erhalten.

Margot Nohr und Ekkehard Pohlmann-Heinze